25 Jahre NeXT

Ohne NeXT wäre Apple längst im Papierkorb der Computergeschichte verschwunden. Auch iOS, das Betriebssystem von iPhone und iPod, gäbe es nicht, wenn nicht Steve Jobs 1985... aber alles der Reihe nach:

Im Mai 1985 wurde Steve Jobs von John Sculley, jenem Manager, den er selbst von Pepsi geholt hatte, aller leitenden Funktionen enthoben. Grund waren einerseits sinkende Verkaufszahlen für den Macintosh, anderseits sein hartnäckiger Versuch, Sculley aus dem Unternehmen zu drängen, um selbst (wieder) an die Macht zu kommen. Dieser erfuhr davon, ließ die Vorstandsmitglieder einzeln antreten und sicherte sich die Mehrheit für Jobs Absetzung.

Damit gab es für Steve Jobs kein Betätigungsfeld bei Apple mehr. Als er den Apple-Vorstand über seine Pläne seines neu gegründeten Untermehmens NeXT informierte, stieß er zwar anfangs sogar auf Interesse in seine neue Firma zu investieren, die Bekanntgabe jener Mitarbeiter, die er von Apple mitnehmen wollte, ließen die Stimmung jedoch gegen ihn umschlagen.

Der Start von NeXT 1985 war wenig erfreulich. Jobs hatte das Unternehmen in höchster Eile auf die Beine gestellt. Die Konkurrenz von NeXT war anders als bei Apple nicht mehr IBM sondern SUN, HP, DEC. Als Zielgruppe peilte NeXT Wissenschaftler und Universitäten an, aber auch professionelle Publisher, Datenbankanwendungen und den medizinischen Markt. Ziel war ein leistungsfähiger Rechner, der so einfach zu bedienen sein sollte wie ein Mac. Als Investor stieg der spätere Präsidentschaftskandidat Ross Perot mit 20 Mio. Dollar ein und erhielt dafür Anteile von 16%. Das Logo schuf Paul Rand, der auch das IBM-Logo erfand und das Design der Maschine kam von Hartmuth Esslinger, der mit seiner Firma Frog Design auch schon dem Mac seine typischen Formen gab.

Ein Jahr nach der Gründung beschäftigte NeXT bereits 200 Mitarbeiter. Mit seiner Ankündigung im Frühjahr 1987 den NeXT zu präsentieren, lag Jobs jedoch ziemlich daneben. Grund dafür waren Verzögerungen beim Chiphersteller Motorola für den 68030 Chip. Erst im Oktober 1988 konnte er die Maschine eindrucksvoll vorstellen.

Anstelle von Kunststoff wie beim Mac war der NeXT in einen Druckguss-Magnesiumwürfel verbaut, kam optional mit optischen Laufwerk und die Seitenbeschreibungssprache „Postscript“ wurde erstmals auch für die Bildschirmdarstellung verwendet. Mit dem Betriebssystem „NeXTstep“ hatte die Maschine eine  leicht zu bedienende grafische Oberfläche für das darunterliegende UNIX. Zusätzlich wurde eine große Auswahl an Entwicklerwerkzeugen mitgeliefert, mit denen rasch unterschiedliche Anwendungen programmiert werden können. Der NeXT war leicht in heterogene Netzwerke zu integrieren und hatte 1988 bereits Software für E-Mail mit an Bord.

NeXT in Österreich

In Österreich war zu dieser Zeit das Duo Ewald Maly/Walter Kuntner mit ihrer Firma „Hard+Soft“ größter Apple Händler im Land. Beide erkannten das Potenzial von NeXT und bemühten sich um die Generalvertretung für Österreich. Am 23. Mai 1992 eröffnete in der Geusagasse das Hard+Soft NeXTCenter – vom 12. bis 16. Mai 1992 zeigte Hard+Soft den NeXT erstmals in Österreich auf der IFABO.

Mit viel Engagement bauten Kuntner und Maly ein Verkaufs- und Serviceteam auf und warteten auf Software. Vergeblich, wie sich bald zeigen sollte: Quark, Macromedia, Aldus, Linotype usw. portieren ihre Software nicht auf den NeXT. Adobe brachte den Illustrator zwar in Version 4, aber mit groben Schlampigkeitsfehlern (Kreise am Bildschirm kamen als Ovale aus dem Drucker). Später hörte man, dass Steve Jobs Quark die Maschinen zur Entwicklung zum Listenpreis angeboten habe. Fred Ebrahimi (Quark-Gründer) habe daraufhin zornig von einer Portierung von QuarkXPress abgesehen. Die Hoffung den NeXT als alternative zum Mac im Publishing-Markt zu platzieren erfüllte sich daher nicht. Unter den wenigen Kunden in Österreich waren ein Architekt, ein Juwellier, ELIN und die Universität.

Die Absatzprobleme massiv: 1992 verkauft NeXT weltweit lediglich 20.000 Maschinen - soviel wie Apple in einer ganzen Woche. Nachdem Canon fast 2 Mio. Dollar investiert hatte und kein Ende des schwächelnden Unternehmens abzusehen war, blieb Jobs nichts übrig als 1993 die Harwaresparte einzustellen, um wenigstens das Betriebssystem NeXTstep, das später in OpenStep umbenannte wurde, am Leben zu erhalten.

In Wien musste daraufhin Hard+Soft sein NeXTcenter schliessen. Sechs Mitarbeiter verloren ihren Job. Vier Jahre später ging Hard+Soft in Konkurs – das NeXTdebakel gilt als eines der Gründe.

Apple G4 Cube, 2000-2001

Apple kauft NeXT

Im Dezember 1996 kauft Apple NeXT inklusive aller Mitarbeiter und Softwarepatente für 400 Mio. Dollar. Steve Jobs kehrte als freier Berater zu seiner ehemailigen Firma zurück. Das neue Betriebssystem sichterte Apple das Überleben. Bemerkenswert war dabei die Vorgangsweise der Umstellung von OS9 zu MacOS X: So radikal Apple in manchen Entscheidungen danach war; hier schaffte man für alle Kunden einen smarten Übergang. Die ersten Versionen von MacOS X enthielten eine sogenannte „Classic-Umgebung“, in der bestehende, alte Software problemlos bei voller Dateikompatibilität weiterlaufen konnte. So hatten die Anwender zwei Jahre Zeit, sich an das neue OS zu gewöhnen. Die MacOS X Darstellung in Spalten und die Ablage von Programmen und Dokumenten im „Dock“ haben sich auch 25 Jahre nach ihrer Erfindung kaum verändert. iPhone und iPad wären ohne MacOS X und dem Kern von NeXT nicht möglich gewesen.

Farbe und Form des NeXT scheinen bis heute nichts an Faszination verloren zu haben. Der G4 Cube aus dem Jahr 2000 kann dabei ebenso als Zitat verstanden werden, wie der Performa 5400 von 1996 und der neue MacPro.

NeXT in der Computergeschichte

  • NeXTstep hat bedeutende Beiträge im Bereich der Informationstechnologie geleistet:
  • erste objektorientierte grafische Entwicklungsumgebung
  • Display PostScript (vollständiges WYSIWYG-Konzept)
  • Vernetzung von Arbeitsgruppen und unternehmensweit mit grafischer Schnittstelle
  • einfache Konfiguration von Computernetzwerken durch GUI-basierten Programme
  • Erstes einheitliches Installations- und Deinstallationssystem für Programme.
  • Als Basis wurde der öffentlich zugängliche Kernel „Mach“ der Carnegie Mellon University verwendet und verfeinert. Es entstand eine Systembasis, die in Mac OS X und in den Aktivitäten der Linux-Gemeinde weiterlebt.
  • erstes Rechnersysteme, die nicht als reine Hardware, sondern mit einem vollständigen Officepaket ausgeliefert wurden 

Auch am Ursprung des World Wide Web hat NeXT seinen Anteil: 1989 schlug Berners-Lee seinem Arbeitgeber CERN ein Projekt vor, das auf dem Prinzip des Hypertexts weltweiten Austausch von Informationen zwischen Wissenschaftlern vereinfachen sollte. Er entwickelte HTML, das Transferprotokoll HTTP den ersten Browser und den ersten Webserver unter dem Betriebssystem NeXTStep.